Klettersteig Regeln und richtiges Verhalten

Für den Klettersteig gibt es zwar keine offiziellen Regeln wie für viele andere Sportarten, dennoch ist es ratsam sich an eine Art Verhaltenskodex zu orientieren. Folgendes sanftes Regelwerk hilft dir sicher wieder runter zu kommen und andere zu respektieren.

Klettersteig Regel 1: Topo ansehen

topo-klettersteig-schwierigkeitsgrad

Diese Klettersteig Regel darf als Vorbereitung nicht fehlen. Für fast jeden Klettersteig ist online bzw. auch vor Ort eine Topo (topographische Karte) verfügbar. Diese zeigt die Abschnitte des Klettersteigs mit dem jeweiligen Schwierigkeitsgrad an. So bekommt man einen ersten Eindruck ob das eigene Fitness Level (bzw. das Fitness Level des schwächsten Teilnehmers) ausreicht. Mit welchem Schwierigkeitsgrad du beginnen solltest kannst du hier finden.

Bildreferenz: bergsteigen.com

Klettersteig Regel 2: Partnercheck

Regel-2-Klettersteig-Partnercheck

Vor jedem Einstieg gibt es einen Partnercheck. Dein Gegenüber prüft bei dir (und dann vice versa). Bei dieser Klettersteig Regel schaut man:

  1.  ob der Klettergurt fest sitzt und geschlossen ist.
  2. ob der Fallbanddämpfer korrekt via Ankerstich am Anseilpunkt des Klettergurtes fixiert ist.
  3. ob die Bandschlaufe korrekt via Ankerstich am Anseilpunkt des Klettergurtes fixiert ist.
  4. ob der Rast-Karabiner korrekt an der Bandschlaufe mittels Ankerstich oder Mastwurf fixiert ist.
  5. ob der Helm sitzt und geschlossen ist.

Klettersteig Regel 3: Drahtseil und Verankerungen prüfen

Durch Vereisung und wiederholtem Auftauen können sich Verankerungen am Klettersteig lösen.  Wenn dies zu Beginn schon zu erkennen ist, in der Regel lieber abbrechen und einen anderen Klettersteig wählen.

Klettersteig Regel 4: Immer am Klettersteig eingeklinkt sein

Dies ist unserer Meinung nach die wichtigste Klettersteig Regel, aber auch jene, die am meisten missachtet wird. Es muss immer mindestens ein Karabiner am Seil eingehängt sein. Hänge nie beide Karabiner gleichzeitig um, auch wenn du dir im Moment sicher bist. Denn auch wenn du einen sicheren Stand hast, können äußere Einwirkungen, wie z. B. Steinschlag, zu Gefahr werden. Oft wir man mit der Zeit sehr sicher und neigt dazu diese Regel zu ignorieren. Wir vergleichen es immer mit Autofahren – auch hier gurtet man sich an und kommt mittlerweile nicht mehr auf die Idee ohne Gurt zu fahren. Es gibt keinen Grund auch nur irgendeine Risiko einzugehen.

Klettersteig Regel 5: Jeder Tritt im Klettersteig muss sitzen

Jeder Tritt muss sitzen und ein Sturz sollte auf jeden Fall vermieden werden. Deshalb gilt die Regel: Geschwindigkeit hat im Klettersteig nichts verloren. Lass dich nicht stressen, von denen die hinter dir sind. Halte dein Tempo und bleibe konzentriert.

Klettersteig Regel 6: Abstand halten

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Diese Klettersteig Regel besagt: Nie gleichzeitig im gleichen Seilabschnitt einklinken. Ansonsten kann dich dein Partner bei einem Sturz mitreißen. Ideal wäre es sogar einen Seilabschnitt dazwischen auslassen. Der Bandfalldämpfer hat nämlich eine Länge von 2,20 m. Wenn sich dieser komplett öffnet erwischt er dich unter Umständen auch noch im Seilabschnitt der gleich dahinter liegt.

Klettersteig Regel 7: Verhalten bei Gegenverkehr

Es gibt Klettersteige, bei denen der Aufstieg nur in eine Richtung geht und für den Abstieg eine gesonderter Weg vorgesehen ist. Bei anderen Klettersteigen kann es vorkommen, dass man diesen von beiden Seiten begehen kann bzw. wo der Aufstieg gleichzeitig der Abstieg ist. Hier kommt es dann in der Regel zu Gegenverkehr.

Verhaltensregel bei Gegenverkehr:
Mit dem Gegenverkehr eine klare Absprache halten und eine passende Stelle finden an der etwas Platz ist. Eine Person kauert sich möglichst nahe an den Felsen. Die andere Person klinkt einen Karabiner aus, geht um die andere Person herum, klinkt den Karabiner wieder am Drahtseil ein. Dann wird der zweite Karabiner nachgeholt. Es sollte immer ein Karabiner eingeklinkt sein.

Klettersteig Regel 8: Richtige Technik anwenden

Klettersteig Regeln für die Technik:

  1. Ein Karabiner muss immer am Seil eingeklinkt sein.
  2. Viel mit den Füssen arbeiten und Kraft sparen durch das Umklinken am langen Arm.
  3. Die Karabiner mit der Hand vor sicher herschieben und nicht nachziehen.
  4. Beim Abstieg die Karabiner der Schwerkraft überlassen.
  5. Bei Seil-Brücken muss ein Karabiner am linken oberen Seil und ein Karabiner am rechten oberen Seil eingeklinkt werden.

Klettersteig Regel 9: Pausen einplanen und schwierige Stellen zügig durchklettern

Vor schwierigen Stellen, wie etwa Überhängen, eine Pause einplanen, sodass man noch genügend Energie hat, diese zügig durchzuklettern. So kommt man rasch aus dem Gefahrenbereich. Bei schwierigen Klettersteigen können die Muskeln schnell übersäuern und man hat keine Kraft mehr in den Armen.

Klettersteig Regel 10: Verhalten beim Sturz im Klettersteig

Es gibt immer wieder die Frage „Was, wenn ich im Klettersteig stürze – soll ich weitergehen?“. Hierzu gibt es keine fixe Regel oder richtige und falsche Antwort. Folgendes Verhalten bei diesen Szenarien dienen aber als Orientierungshilfen.

Szenario 1: Ich bin so schwer verletzt, dass ich nicht weitermachen kann.
Option: Die Bergrettung rufen – z.B. via App SOS EU ALP

Szenario 2: Ich bin gestürzt und komme nicht mehr von eigener Kraft ans Seil.
Option: Zuerst mit Partner versuchen das Seil wieder zu erreichen. Wenn das nicht klappt die Bergrettung rufen.

Szenario 3: Ich bin gestürzt und der Bandfalldämpfer hat teilweise oder voll ausgelöst, ich erreiche aber das Seil und kann weitergehen.
Option: Die Bandschlinge des Partners (oder wenn vorhanden, deine Ersatz-Bandschlinge) nehmen und mittels Ankerstich am Anseilpunkt anhängen. Die beiden Bandschlingen nun als Notfalls-Klettersteigset
verwenden.

Klettersteig Regel 11: Verhalten bei Panik im Klettersteig

Wenn Panik eintritt, dann kommt man in der Regel nicht mehr vor und zurück. Man sollte jedoch wissen, das z. B. bei einer Panikattacke nach den ersten 10 Minuten der Höhepunkt erreicht ist, und dass diese spätestens nach 30 Minuten vorbei ist. Länger könnte unser Körper diesen Zustand nicht beibehalten:

Folgende Schritte sollen helfen diese Phase zu bewältigen:
– Sich in unmittelbarer Nähe zu einer sicheren Stelle hinbewegen (z.B. an einem Felsvorsprung an dem man gut stehen oder in die Hocke gehen kann.)
– Sich bewusst machen, dass man Panik hat, dass aber nichts passieren kann. Man ist sehr gut abgesichert.
– Ruhig und bewusst ein- und ausatmen. Nicht hyperventilieren.
– Sich bewusstmachen, dass dies nur ein temporärer Zustand ist.
– Gutes Zureden vom Partner hilft, wieder langsam einen realen Blick für die Situation zu erhalten.
– Langsam wieder beginnen sich fortzubewegen, idealerweise mit Hilfe des Partners.
– Wenn vorhanden am nächsten Notausstieg aussteigen.

Klettersteig Regel 12: Verhalten bei Gewitter im Klettersteig

Im Sommer können ab ca. 15:00 Uhr immer wieder Gewitter entstehen. Diese Regel gilt auch für Wanderungen bzw. alle alpine Aktivitäten. Deshalb sollte man seine Tour im Sommer so planen, dass man zu dieser Uhrzeit bereits wieder retour ist. Lieber im Morgengrauen losmarschieren. Bei einem Gewitter im Klettersteig zu sein ist ein ernstes Problem, denn das Drahtseil dient für das Gewitter als Blitzableiter. Falls es doch passiert, dann sollte man folgendermaßen vorgehen:

  1. Sich zügig von exponierten Stellen wie Gipfeln entfernen
  2. Ausstiegsmöglichkeiten bzw. Alternativrouten ohne Drahtseil suchen
  3. Eine Stelle im Klettersteig suchen, bei der man sich vom Drahtseil ausklinken kann und möglichst weit von diesem entfernt ist. Je größer der Abstand, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Blitz auf unseren Körper überspringt. Dort noch zusätzlich auf dem Rucksack sitzen, da dieser als isolierende Unterlage dient.

Wichtiger Sicherheitshinweis

Wir entwickeln unsere Bergsport-Guides mit größter Sorgfalt, zusammen mit Bergsportlern, staatlich geprüften Bergführern und Mitgliedern der Tiroler Bergrettung.

Unsere Bergsport-Guides geben einen ersten kompakten Einblick in die jeweilige Bergsportart, haben jedoch nicht den Anspruch diese 100 % abzudecken. Die Guides ersetzen keine professionellen Kurse, sondern dienen als vorgelagerte Informationsquelle. Wir übernehmen keine Haftung für Unfälle, die durch Anwendung der hier beschriebenen Informationen entstehen.