Klettersteig Ausrüstung

Folgende Klettersteig Ausrüstung benötigst du für den Start.

Helm – Klettersteig Ausrüstung

Eine Kernelement für die Klettersteig Ausrüstung ist der Helm. Doch nicht jeder Sporthelm ist fürs Klettern oder für den Klettersteig geeignet. Ein Helm zum Skifahren oder Radfahren ist anders konzipiert, als ein Helm zum Klettern. Ein Kletterhelm bzw. ein Helm zum Bergsteigen muss in Europa die Norm für Bergsteigerhelme (EN 12492) erfüllen. Bergsteigerhelme sind so konzipiert, dass sie möglichst vor Steinschlag oder auch einem Sturz im Fels schützen.

Für die Klettersteig Ausrüstung kommen folgende Helmtypen in Frage.

Hartschalenhelm mit Innenkorb

Schaumhelm / In-Molding-Helm

Hybrid Schaumhelm mit Kunststoffschale

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Vorteil: Hart, schützt gut vor stoffschale Steinschlag.
Nachteil: Nimmt seitlich aber wenig Energie auf, d.h. schlecht bei Stürzen.

Vorteil: Schützt gut an der Seite.
Nachteil: Weniger hart und schützt so weniger bei Steinschlag.

Kompromiss zwischen Hartschale und Schaumhelm. Nirgends wirklich gut oder schlecht.

Entscheidungshilfe für den Helmkauf

  1. Erfüllt der Helm die EU Norm 12492 für Kletterhelme?
  2. Passt die Form und drückt der Helm nirgends?
  3. Hat er eine gute Belüftung / Belüftungsschlitze?
  4. Kann man eine Stirnlampen anbringen?
  5. Ist er nicht zu schwer (max ca. 350g)?
  6. Im Sommer sind helle Farben weniger heiß und helle bzw. leuchtende Farben sieht man besser im Notfall. Im Schnee sieht man weiße Helme schlecht.
  7. Kann ich ihn leicht bedienen? Enger und weiter stellen, sowie das Halsband leicht öffnen schließen?

Klettergurt für die Klettersteig Ausrüstung

Tipp:
Für den Klettersteig verwenden die meisten Sportklettergurte. Der Klettergurt sollte an der Hüfte so eng sitzen, dass man mit der flachen Hand zwischen Gurt und Bauch kaum Platz hat. Hier ist ein enger Sitz am Wichtigsten. An den Beinen sollte er nicht einschneiden, aber dennoch eng anliegen.

Für die Klettersteig Ausrüstung gibt es keinen speziellen Klettersteig-Gurt. Es werden die selben Gurte wie für das Klettern verwendet. Sofern diese der EU Norm EN 12277 für Anseilgurte für den Bergsport entsprechen, ist man bereits auf der sicheren
Seite.

Generell unterscheidet man zwischen Klettergurten für:

  1. Sportklettern (leicht und dennoch bequem, da man öfters hineinstürzt)
  2. Gurt für Mehrseillängen (geeignet um einiges an Material zu transportieren)
  3. Hochtouren und Eisklettern (sehr leicht und klein, kann man oft mit den Skiern am Fuß anziehen)
  4. Komplettgurte (gehen über den gesamten Oberkörper, werden bei Erwachsenen kaum mehr verwendet, sind aber für Kinder gut geeignet).

Sportklettergurt

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Mehrseillängen

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Hochtouren

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Komplettgurt

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Entscheidungshilfe für den Kauf eines Klettersteiggurtes

  • Für den Klettersteig ist ein Sportklettergurt ideal.
  • Kann ich Größe der Hüft- und Beinschlaufen anpassen, sodass auch andere Kleidung darunter passt, wie lange Hose oder Jacke?
  • Wofür benötigst du den Klettergurt noch? Wenn du planst mehrere Hochtouren zu machen, wäre ev. ein Hochtourengurt ebenfalls geeignet.

Bandfalldämpfer für die Klettersteig Ausrüstung

Für die Klettersteig Ausrüstung ist der Bandfalldämpfer quasi das Herzstück eines jeden Klettersteig-Sets. Dessen Vorgänger waren das V-System und im Anschluss das leicht verbesserte Y-System. Das Problem bei den Vorgängerversionen war, dass es immer wieder schwere Verletzungen bei Stürzen gab. Die direkte Krafteinwirkung bei einem Sturz auf den Körper war zu groß. Der moderne Bandfalldämpfer besteht aus einem Band, welches in mehreren Lagen zusammengenäht ist. Bei einem Sturz reißt so nach der Reihe eine Naht nach der anderen und dämpft den Sturz ab.

klettersteig-ausruestung-bandfalldämpfe V illustration

V-System (keine Dämpfung, veraltet)

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Y-System (wenig Dämpfung, veraltet)

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Bandfalldämpfer Gute Dämpfung
(auf aktuelle Norm EN958
achten)

Seit 2017 gib es übrigens eine neue Norm EN 958, welche folgende 2 Bereiche besser abdeckt:

  1. Größere Abdeckung der Gewichtsklassen: Von 40 kg bis 120 kg (Person inkl. Ausrüstung)
  2. Eigenschaft des Bandfalldämpfers: Hier wurde bisher auch Polyamid als Band-Material eingesetzt. Diese Faser quillt bei Nässe jedoch auf und verändert durch die größere Dichte den Zeitpunkt, wann der Bandfalldämpfer auslöst. D. h. bei einem stark durchnässten Band kann dieses um einiges später auslösen.
  3. Maximaler Bremsweg von 220 cm: Dieser betrug vor der Norm nur 120 cm.

Welche Funktionen MUSS ein moderner Bandfalldämpfer haben?

1. Einfaches und sicheres Öffnen der Karabiner
Die Karabiner hängt man in einem Klettersteig mehrere hundert mal ein und aus. Deshalb sollten sich diese schnell und sicher mit einer Hand öffnen lassen, wie z.B. One Touch Karabiner (von Edelrid), Ergotech Karabiner (von Salewa), Bionic Karabiner (von Mammut) oder COLT Karabiner (von AustriAlpin).

2. Elastische Lastenarme mit 1,3 kN Ansprechkraft:
Die elastischen Lastenarme dehnen sich und ziehen sich wieder zusammen. So hat hat man ein kürzeres Band, welches sich weniger verheddert und mehr Komfort bietet. Die definierte Ansprechkraft auf die Lastenarme bevor der Bandfalldämpfer auslöst muss bei min 1,3 kN sein.

3. Elastische Anbindschlaufe
Wir haben verschiedene Sets getestet. Ein Set (Salewa) hatte auch bei der Anbindschlaufe ein elastisches Band. Dies hat den Vorteil, dass nach der Fixierung mittels Sackstich am Klettergurt der Bandfalldämpfer-Block näher an der Hüfte ist und nicht zu weit unten zwischen den Schienbeinen.

Welche Funktionen KANN ein moderner Bandfalldämpfer noch haben?

4. Drehgelenk:

Von Vorteil ist auch, wenn die Lastenarme mittels Drehgelenk am Bandfalldämpfer befestigt sind. Häufiges Umhängen und Wechseln der Richtung am Drahtseil verwickelt die Lastenarme ineinander. Das Drehgelenk kann dies zumindest teilweise verhindern (z.B. bei Salewa).

5. Dritter Arm oder Blockierfunktion:

AustriAlpin bietet ein Klettersteigset mit einem 3ten Arm. Den kann man zusätzlich ins Drahtseil hängen und verhindert so einen Sturz komplett. Ein weiterer dritter Arm ist natürlich nicht so handlich und wird deshalb entweder von Einsteigern benützt, die ganz auf Nummer sicher gehen möchten, oder teilweise von Erfahrenen, die sich für extreme Klettersteige begeistern können.

Skylotech hat einen anderen Weg gewählt und einen der Lastenarme so konzipiert, dass dieser beim Zurückziehen blockiert und so einen Absturz verhindert. Das Handling dieses “Riders” ist etwas anders als beim klassischen Karabiner. Speziell beim Abstieg muss man aktiv den Rider drücken, damit er sich bewegt.

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klettersteig ausrüstung bandfalldaempfer
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Karabiner

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Lastenarme

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Anbindschlaufe

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Bandfalldämpfer

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Drehgelenk

Entscheidungshilfe für den Kauf eines Bandfalldämpfers

  • Bandfalldämpfer sollte der Norm EN 958 entsprechen.
  • Einfaches und sicheres Öffnen der Karabiner und elastische Lastenarme.
  • Als Anfänger tendiert man auf Nummer sicher zu gehen, sprich 3ter Arm oder Skylotech Rider mit Blockiersystem. Probiere es aber zuerst lieber mit einem klassischen Set auf einem einfachen Klettersteig. Dann merkt man, wie wichtig ein einfaches Handlig ist, und dass man die zusätzliche Sicherheit nicht benötigt (sofern man sich richtig einschätzt).

Bandschlinge und Karabiner für die Klettersteig Ausrüstung

Die Bandschlinge ist ein schmales und extrem robust vernähtes Band, dass laut Norm 22kn, also 22 Tonnen Krafteinwirkung, aushalten muss. Sie besteht oftmals aus Polyamid, Kevlar, Dyneema oder aus Kombinationen dieser.

Im Klettersteig dient die Bandschlinge besonders bei größeren Schwierigkeitsstufen als „Rastschlaufe“, in die man sich hängen kann. Bei Anfängern gibt sie eine gute zusätzliche Sicherheit, wenn man das Gefühl hat, es geht einem die Luft aus. Auch bei Seilbrücken wird sie oft als zusätzliche Sicherung eingehängt.

Bei einer modernen Klettersteig Ausrüstung ist beim Bandfalldämpfer oft auch bereits eine zusätzliche Schlaufe vorhanden. Hier benötigt man dann nur mehr einen Karabiner, und man kann diese als Rastschlaufe verwenden.

Damit man nicht zu weit weg vom Drahtseil hängt, ist eine Länge von 60 cm optimal. Zuerst verbindet man den Karabiner mit der Bandschlinge entweder mittels Ankerstich oder noch besser mittels Mastwurf.

Ideal wäre ein HMS Karabiner mit einem Drahtbügel. Der Drahtbühel hält die Bandschlinge an der richtigen Position im Karabiner. In dieser Position kann der Karabiner die maximale Zugkraft aushalten. Dann befestigt man die Bandschlinge mittels Ankerstich am Anseilpunkt des Klettergurtes.

Am besten zu Hause das Reinhängen in die Bandschlinge aus geringer Höhe und ohne Schwung testen. Es braucht nämlich etwas Vertrauen in dieses dünne Band – insbesonders über einem tiefen Abgrund.

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HMS Karabiner mit Slider Öffnung

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Ankerstich Knoten

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Bandschlaufen 60cm

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HMS Karabiner mit Drehverschluss

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Mastwurf Knoten

Sicherheitstipps für die Klettersteig Ausrüstung

Rückrufaktionen kommen auch bei einer Klettersteig Ausrüstung immer wieder vor. Deshalb auch hier proaktiv und in regelmäßigen Abständen auf der Webseite der Hersteller nachsehen, ob bei deinem Klettersteigset und deiner persönlichen Schutzausrüstung alles in Ordnung ist.

Persönliche Schutzausrüstung (PSA) alle 10 Jahre tauschen. Dies gilt für Helm, Klettergurt, Bandfalldämpfer. Nach einem Steinschlag den Helm sofort austauschen. Nach einem Sturz den Bandfalldämpfer sofort tauschen. Karabiner haben, solange sie nicht durch äußere Einwirkung verformt oder brüchig sind, idR kein Ablaufdatum. Immer wieder mal auf Dellen und Risse kontrollieren.

Handschuhe für die Klettersteig Ausrüstung

Klettersteig Handschuhe gibt es gibt sie in unterschiedlichen Größen und in folgenden Ausführungen:
a) Halbfinger (Kunststoff oder Leder)
b) Vollfinger (Kunstfoff oder Leder)

Klettersteighandschuhe schützen deine Hand
a) vor hervorstehenden Drähten am Seil
b) vor Blasen (vor allem zu Beginn, wenn die Technik noch nicht so sitzt)
c) vor schlechtem Grip mit feuchten Händen

Halbfinger haben den Vorteil, dass man z.B. die Dreh- oder Slider-Öffnung des Karabiners an der Bandschlaufe besser bedienen kann. Sie schützen aber nicht so gut vor Blasen oder Verletzungen wie
Vollfinger. Leder fühlt sich natürlicher auf der Haut an, verschleißt aber schneller und trocknet bei Durchnässung viel langsamer.

Viele entscheiden sich für Halbfinger aus Kunsstoffmaterialien, da man einfach noch ein etwas besseres Gefühl mit den Fingerspitzen hat und diese schneller wieder trocknen.

Schuhe für die Klettersteig Ausrüstung

Im Klettersteig eignen sich sehr gut Bergschuhe mit einer steifen Sohle. Diese unterstützen den Auftritt auf kleinen Felsvorsprüngen. In der größten Schwierigkeitsstufe werden teilweise bereits Kletterschuhe verwendet. Hat man einen längeren Zustieg, kann man sich auch überlegen, dafür z. B. leichtere Trekkingschuhe mitzunehmen.

Rucksack & Co als Klettersteig Ausrüstung

Wenn man sich im alpinen Gelände bewegt, sollte man eigentlich immer eine Grundausrüstung dabei haben. Dazu gehören z. B. Regenjacke, Biwaksack, Taschenmesser, Erste-Hilfe-Paket, Stirnlampe, Wanderkarte, Energieriegel und Wasser.

Für den Klettersteig muss man zusätzlich noch den Bandfalldämpfer, Klettergurt, Bandschlinge mit Karabiner und Klettersteighandschuhe mitnehmen. Dies alles sollte in einem nicht zu großen, aber auch nicht zu kleinen Wanderrucksack transportiert werden.

Entscheidungshilfe für den Kauf eines Klettersteig Rucksackes

Folgende Eigenschaften soll ein Rucksack für den Klettersteig haben:

  1. 20 – 30 Liter Volumen. Schmaler Schnitt für eine gute Bewegungsfreiheit und einfachen Zugriff auf den Klettergurt.
  2. Robustes Material, sodass er durch Reibung am am Felsen nicht zu schnell verschleißt.
  3. Abnehmbarer Hüftgurt, damit bei Bedarf der Klettergurt frei liegt.
  4. Außen keine weichen Meshtaschen für Trinkflaschen, da diese am Fels leicht kaputt gehen.
  5. Brustgurt, damit der Rucksack möglichst nah am Körper ist und nicht verrutscht.
  6. Schneller und einfacher Zugriff ins Hauptfach.
  7. Kompressionsriemen um ihn möglichst kompakt zu halten.
  8. Eventuell Trinkblase anstelle von Trinkflaschen. So kann man in jeder Position seinem Körper einfach Wasser zuführen.

Folgende Eigenschaft sollte der Rucksack auf KEINEN Fall haben:
Rückensystem mit Rückennetz. Dies verlagert den Schwerpunkt nach hinten und die steifen Alurahmen sind eine Gefahrenquelle für Verletzungen.

Die richtige Kleidung für den Klettersteig

Die Kleidung sollte dem Wetter angepasst sein. Generelle Empfehlungen sind:

  • Als geeignete Materialien für Kleidung sind entweder Kunstfasern oder als Naturfaser hauptsächlich Merinowolle sinnvoll.
  • Baumwolle hat zwar einen guten Sonnenschutz, allerdings saugt sich das Material schnell mit Wasser (und Schweiß) voll. Der Trocknungsprozess dauert sehr lange.
  • Baumwolle scheuert insbesondere im nassen Zustand mehr als andere Materialien. Deshalb am besten bei T-Shirts und Socken auf Baumwolle verzichten.
  • Kleidung in dunkler Farbe trocknet wieder schneller in der Sonne. An warmen Tagen kühlen dafür helle Farben besser. Dünne T-Shirts trocknen ebenfalls schneller wieder.
  • Man ist richtig angezogen, wenn einem zuerst etwas kalt ist. Die ersten 10 Minuten im Zustieg bringen einen dann auf die richtige Betriebstemperatur. Bei der Kleidung hat sich das Zwiebelprinzip bewährt.
  • Mit diesem kann man sich nach Belieben den Temperaturen und Wetterbedingungen anpassen. Die Hose sollte nicht zu steif sein. Wer seine Knie etwas vom Felsen schützen möchte, der sollte auch
    im Sommer eine leichte lange Hosen tragen.
  • Ein Ersatz T-Shirt dabei zu haben ist nie verkehrt.
  • Der Klettergurt sollte noch über die Kleidung passen. Aufpassen bei zu dicken Jacken.
  • Dünne und feine Materialien können am Felsen schnell verschleißen.

Physisches Kartenmaterial und Notfall App

Moderne Technologie wie Smartphones mit GPS Tracking wiegen uns heute oft in Sicherheit. Doch wenn man sich auf unbekanntem Terrain begibt, ist ein zusätzlich physisches Kartenmaterial unerlässlich. Denn ohne Akku keine Smartphone und somit keine Orientierung. Die Akkulaufzeit wird unter anderem beeinflusst von der Temperatur – je kälter, desto schneller ist der Akku leer.

Das Smartphone sollte auf jeden Fall dennoch mit. Mittlerweile gibt es nämliche großartige Notfall Apps die speziell für Notfällen im Gebirge ausgelegt sind wie z.B. die Notfall Apps SOS EU Alp. Diese App solltest du auf jeden Fall installiert haben und der Akku sollte vor jeder Wanderung voll aufgeladen werden.

Wichtiger Sicherheitshinweis

Wir entwickeln unsere Bergsport-Guides mit größter Sorgfalt, zusammen mit Bergsportlern, staatlich geprüften Bergführern und Mitgliedern der Tiroler Bergrettung.

Unsere Bergsport-Guides geben einen ersten kompakten Einblick in die jeweilige Bergsportart, haben jedoch nicht den Anspruch diese 100 % abzudecken. Die Guides ersetzen keine professionellen Kurse, sondern dienen als vorgelagerte Informationsquelle. Wir übernehmen keine Haftung für Unfälle, die durch Anwendung der hier beschriebenen Informationen entstehen.